Urbane Plätze als Orte der Kommunikation. Das Beispiel Augsburg

Forschungsprojekt „Urbane Plätze als Orte der Kommunikation. das Beispiel Augsburg“ Laufzeit 2018 – 2021

Architekturmuseum der Technischen Universität München

Die Entstehung der Augsburger Stadtplätze geht im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurück. Als strukturbildendes, städtebauliches Instrument erfolgte ihre Anlage – wie auch in anderen europäischen Städten – im Rahmen urbanistischer Gesamtkonzepte. Diese planten und gestalteten öffentliche Räume in der Innenstadt, dem Stadterweiterungsgebiet und den einzelnen Stadtteilen, um Eingangssituationen zu kennzeichnen, Verkehrswege zu gliedern, Blickachsen zu akzentuieren und zentrale Versammlungsorte, insbesondere vor wichtigen Profan- und Sakralbauten, zu definieren. Alternativ dazu entstanden Plätze nach der Abräumung verfallener oder zerstörter Bauten. Dass der Protest der Stadtbürger jeweils eine Wiederbebauung des Areals verhinderte, spricht für die generell hohe Akzeptanz, die dem freien, öffentlichen Platz im Augsburger Stadtgefüge zukommt. Diese zivilgesellschaftlichen Interventionen und Interessensbekundungen richten das Augenmerk auf die Bedeutung der öffentlichen Plätze für Kommunikation und Interaktion im urbanen Alltag. Auch in der jüngeren Vergangenheit bis hin zur Gegenwart dokumentieren die Aktivitäten, die für Plätze bestimmend waren und sind: Neben offiziellen Veranstaltungen, wie Kundgebungen oder dem Umschlag von Handelsgütern (Märkten), bietet sich hier Platz für informelle, private Treffen, spontane Aktionen, Verweilen oder diverse künstlerische oder zivilgesellschaftliche Aktivitäten (z.B. Street Art, Graffiti, Protestpalakte).

Im Status Quo kennzeichnet diverse Augsburger Stadtplätze trotz Sanierung und Neugestaltung eine verhältnismäßig geringe Aufenthaltsqualität und eine dementsprechend niedrige Verweildauer. Andere präsentieren sich wiederum im Zustand von Verwahrlosung und Vandalismus. In beiden Fällen sind die Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion eingeschränkt bzw. generell in Frage zu stellen. Im Rahmen des Forschungsprojekts wird am Architekturmuseum Schwaben die historische Analyse der städtebaulichen Grundlagen zur Gestaltung der Augsburger Plätze geleistet werden. Ferner wäre aus heutiger Sicht zu untersuchen, mit welchen architektonischen oder künstlerischen, d. h. immer auch materiellen und medialen Mitteln, Plätze verändert werden können, um den drohenden Funktionsverlust zu kompensieren und zu einer Aufwertung beizutragen. Wichtige Vorarbeiten dazu erfolgten anlässlich der Architekturwoche „A4“ in Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Architekten.

Das TP des Architekturmuseums wird zudem eine öffentliche Präsentation bzw. (Krisen-)Experimente an geeigneten Augsburger Plätzen konzipieren und durchführen. Hierbei werden unterschiedliche Medientechnologien und -objekte eingesetzt, die den öffentlichen Raum manipulieren. Ziel ist es dadurch das sinnliche Wahrnehmen zu schärfen bzw. bewusst zu stören und auf diese Weise Kommunikationsprozesse in Gang zu bringen. Damit sollen auch Anhaltspunkte über die realweltliche Akzeptanz und Wirkung medialer Erweiterungen gesammelt werden. Beispiele hierfür sind:

  • Visuell (veränderte Lichtführung): Durch den gezielten Einsatz von Licht kann einerseits (nachts) der Umriss eines Platzes fokussiert werden, andererseits definieren Lichtskulpturen eigene Räume und konterkarieren somit die Dimensionen eines Platzes.
  • Auditiv (veränderte Geräuschkulisse): Die für einen Platz typischen Geräusche werden in Überlautstärke eingespielt, untypische Geräusche (freie Natur) irritieren.
  • Haptisch (verändertes Material): Durch z.B. das Aufschütten von Rollsplit wird ein anderes Bewusstsein des Gehens evoziert und die olfaktorische Komponente der Platzwahrnehmung (z.B. bei Materialien wie Rindenmulch) wird sensibilisiert. Ebenso wird das Aufstellen von Objekten, eine Veränderung der Anlage von Wegen auf strukturieren Plätze im Hinblick auf Bewegungs-, Interaktions- und Kommunikationsmuster getestet.

Konkrete Forschungsfragen lauten:

  1. Welche Überlegungen waren bei der Entstehung und Anlage urbaner öffentlicher Plätze in Augsburg maßgebend? Wie haben sich diese Vorstellungen über Nutzung und Funktion von öffentlichen Plätzen im Wandel der Zeit verändert? Welche Bedeutung kommt hierbei der medialen Ausstattung solcher Plätze zu?
  2. Wie wurden diese Plätze tatsächlich angeeignet und genutzt? Wie hat sich die (interpersonale, öffentliche, künstlerische und zivilgesellschaftliche) Kommunikationskultur dieser öffentlichen Plätze verändert?
  3. Wie verändert der Einsatz von Medientechnologie und die Manipulation gewohnter Materialität urbaner öffentlicher Plätze die Wahrnehmung des Raums? Welchen Effekt hat dies für Bewegungsmuster, Interaktions- und Kommunikationsverhalten?

Finanzierung

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)


Team

Dr. Barbara Wolf

Dr. Barbara Wolf

Architekturmuseum Schwaben
Fakultät für Architektur
Technische Universität München

Dr. Gregor Nagler

Dr. Gregor Nagler

Architekturmuseum Schwaben
Fakultät für Architektur
Technische Universität München